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Einladung zum Fachgespräch

Land Grabbing – den Menschen den Boden unter den Füßen wegziehen

15.12.2011, 15.00 – 18.00 Uhr
Veranstaltungsraum der Stiftung Nord-Süd-Brücken
Greifswalder Str. 33a, 10405 Berlin

Mitwirkende: Evelyn Bahn (INKOTA-netzwerk e.V.), Claudia Müller-Hoff (European Center for Constitutional and Human Rights), Terfa Dibaba (Hilfsorganisation der Oromo Relief Association (HORA) e.V)

Seit jeher wurde Land durch jene angeeignet, die es weder bewohnten noch darauf wirtschafteten. In Südafrika existiert ein Sprichwort, das heißt: Sie schenkten uns die Bibel, und während wir die Augen schlossen und darin lasen, stahlen sie unser Land. In Namibia ergaunerte der deutsche Kaufmann Adolf Lüderitz mit einer perfiden Berechnungsgrundlage (er vertauschte die längere deutsche mit der kürzeren englischen Meile) einen Küstenstreifen entlang des Atlantiks. Und in vielen anderen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas wurde die unrechtmäßige Aneignung von Land und Vertreibung der Menschen, die dort seit Jahrhunderten lebten, äußerst brutal mit dem Gewehr durchgesetzt.
Das sogenannte Land Grabbing, also der großflächige Aufkauf oder die langjährige (99 Jahre) Pacht von Agrarland durch staatliche Akteure oder private Investoren, ist komplexer. Und es sprengt alle bisherigen Dimensionen der großflächigen Landnahme. Die Weltbank bezifferte 2010 die landwirtschaftliche Nutzfläche, über die verhandelt wird oder die schon verkauft bzw. verpachtet ist, mit 85 Mio. Hektar. Andere Quellen gehen von über 200 Mio. Hektar aus. Organisiert wird der Ausverkauf des Landes von den eigenen Regierungen. Sie holen ausländische Investoren ins Land. Manchmal durchaus im Glauben, dass damit Arbeitsplätze geschaffen und Infrastrukturprojekte gebaut werden.
Neu ist, dass neben profitorientierten transnationalen Konzernen (u.a. Anbau von Rohstoffen für Biodiesel) auch viele Regierungen von Schwellenländern und reiche Golfstaaten zu den Aufkäufern gehören. Diesen geht es nicht um Gewinnmaximierung. Vor dem Hintergrund der Energie- und Nahrungsmittelkrisen geht es diesen Staaten darum, sich unabhängiger von der Energiepreispolitik und Nahrungsmitteleinfuhren zu machen. Hinzu kommt schließlich, dass Ackerland mehr und mehr zum spekulativen Gut und Wert an den internationalen Börsen wird.
Der Blick in die Zukunft lässt erahnen, dass wir uns erst am Anfang dieser Entwicklung befinden. Die Luftverkehrsindustrie ist in diesem Jahr in den Wettlauf um Ackerland eingestiegen. Sie wollen Energiepflanzen für die Biokerosinproduktion anbauen. Auch die Plastikindustrie beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Möglichkeit, so genanntes „Bioplastik“ zu produzieren.
Die Verlierer des Land Grabbings sind jene, die bis dato auf und von dem Land lebten: die ländliche Bevölkerung, die Kleinbäuer/innen und Landarbeiter/innen, die Hirten und Nomaden. Für sie bedeuten die „Landdeals“ ihrer Regierungen, über die sie oft gar nicht oder sehr unzureichend informiert wurden: Vertreibung von ihrem Land, Verlust des Zugangs zu Wasser, Umweltzerstörung durch Monokulturen, Verteilungs- und Ressourcenkonflikte, letztlich Landflucht und Verelendung in den Slums der Städte.
Mit diesem Fachgespräch möchten wir Einblick in das ganze Ausmaß des Land Grabbings geben. Die Frage soll diskutiert werden, warum die Regierungen der Länder des Südens sich auf diesen Landausverkauf einlassen. Exemplarisch wird die Situation in Äthiopien dargestellt, wo das Land Grabbing extreme Ausmaße angenommen hat. Auch werden die rechtlichen Grundlagen der Landverkäufe bewertet. Wer wird zukünftig entscheiden, was auf den immer knapper werdenden Ackerflächen angebaut wird? Schließlich wird der Widerstand der lokalen Bevölkerung und die Strategien der Zivilgesellschaft dargestellt: Was sind deren Positionen, Forderungen und Bedürfnisse nach Unterstützung? Was können wir hier tun, um ihre Rechte zu wahren bzw. wiederherzustellen?
Zur Vorbereitung auf das Fachgespräch empfehlen wir folgende einführende Seiten:
http://www.inkota.de/landgrabbing
http://land-grabbing.de/

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen und bitten zwecks besserer Planung um Anmeldung bis zum 08.12.2011.

Einladung zum downloaden

 
 
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