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Reisen bildet Vorurteile?

Was bewirken Nord-Süd-Schulpartnerschaften bei den beteiligten Schüler/innen aus Deutschland ?

Der Austausch und die Begegnung von Schüler/innen aus Deutschland und verschiedenen Ländern des Globalen Südens soll bei allen Beteiligten einen Lernprozess über sich und andere befördern, die Fähigkeit zu einem Perspektivenwechsel unterstützen und ein kritisches Nachdenken über die eigene Rolle in der globalen Welt provozieren. Begegnungsprogramme haben den Anspruch zu bilden, Horizonte zu erweitern und vorhandene individuelle und kollektive Vorurteilsstrukturen aufzuweichen.

Der Berliner Verein Berlin-Postkolonial e.V. hat nun ein Papier zu „Persönlichen Begegnungen in Schulpartnerschaften“ vorgelegt, in dem die Autorin Dr. Luise Steinwachs u.a. zu dem Schluss kommt, dass persönliche Begegnungen im Rahmen von Schulpartnerschaften Vorteile und Klischees verstärken können. Zudem führen persönliche Begegnungen eher zu Selbstversicherung der Jugendlichen und zu einem starken Drang, helfen zu wollen, anstatt aufkommende Irritationen im Rahmen der Begegnung zuzulassen, auszuhalten und mit dieser Verunsicherung konstruktiv um zugehen.

Grundlage des Papiers ist eine Erhebung an sieben Schulen und Gespräche mit Lehrer/innen und Schüler/innen, die an zwei Begegnungsreisen mit Schulpartnerschaften aus verschiedenen afrikanischen Ländern teilgenommen haben. Zudem wurden noch 90 Berichte von Lehrer/innen und Schüler/innen ausgewertet. Das Papier finden Sie hier im Internet.

Im Hinblick auf das Papier wurde am 13.01.2014 ein Fachgespräch mit Dr. Luise Steinwachs, die den Hintergrund und die Ergebnisse der Erhebung nochmal kurz vorstellte, Sigrun Landes-Brenner von Brot für die Welt/Evangelischer Entwicklungsdienst und Birgit Mitawi von der RAA Brandenburg durchgeführt.

Diskutiert wurde, wie sinnvoll Reisen im Rahmen von Schulpartnerschaften überhaupt sind im Hinblick auf das Papier. Sind Reisen der richtige Weg, um den Schüler_innen vorurteilsbeladene Vorstellungen der Partner im globalen Süden bewusst zu machen, diese aufzuweichen und einen Perspektivenwechsel zu unterstützen. Des Weiteren bleibt offen,  auf wessen Kosten solch ein Lernprozess durchgeführt wird. Übergeht man die Partner im globalen Süden, um hier in Deutschland neue Denkanstöße bei Jugendlichen anzuregen, die eventuell überhaupt nicht zielführend sind? Notwendig, um die Auswirkungen von Begegnungsreisen genau einschätzen zu können, ist eine zusätzliche Perspektive aus den Ländern des globalen Südens. Diese Perspektive fehlt jedoch noch zum momentanen Zeitpunkt. Kritisch betrachtet wurden außerdem die Asymmetrien in den Begegnungen zwischen Nord und Süd durch ungleiche Machtstrukturen und materielle Unterschiede. Überlegungen für den Abbau dieser wurden angestellt.     

Im Hinblick auf die Auswirkungen und den Sinn von Begegnungsreisen wurden die Ergebnisse der Erhebung den Erfahrungen aus der Praxis gegenübergestellt. Stimmen aus dem Publikum wurden laut, die durch praktische Erfahrungen das Konzept der Begegnungsreisen im Rahmen von Schulpartnerschaften als sinnvoll und wertvoll betrachten. Auch Birgit Mitawi sieht durchaus Erfolge und eine Weiterentwicklung von Schulpartnerschaften.

Einig waren sich die Diskutanten hinsichtlich der Notwendigkeit der Modifizierung der Rahmenbedingungen von Begegnungsreisen. Konkret zeigte sich dieser Konsens, was die Vorbereitung, Begleitung und die Nachbereitung der Begegnungsreisen angeht. Gefordert wurde eine fachliche Unterstützung, die interkulturelle Erfahrungen professionell und langfristig begleitet. Dabei ist vor allem der Aspekt der Nachhaltigkeit wichtig, um auf lange Sicht einen erfolgreichen Lernprozess bei Jugendlichen zu gewährleisten.

Das Fachgespräch zeigte, dass ein großer Diskussions- und Handlungsbedarf über die Ziele und Auswirkungen von Schulpartnerschaften besteht und diente als Anstoß einer Diskussion, die sicherlich in Zukunft noch weiter fortgeführt werden muss.  

Hier können Sie sich das Fachgespräch anhören.

Studie von Luise Steinwachs „Arm aber glücklich“

Präsentation von Dr. Luise Steinwachs

Weitere Materialien/Infos zum Thema

Artikel im „Neuen Deutschland“ zum Fachgespräch am 13.04.2013 „Wenn Reisen Vorurteile bestärken“

Artikel im Tagesspiegel „Wenn der Schüleraustausch Vorurteile festigt“ am 17.01.2014

Die Stiftung Umverteilen hat seit 30 Jahren Erfahrungen zum Thema „Reisen“ und inter„kulturelles“ Lernen! Sie betreibt seit 10 Jahren in der Türkei eine Begegnungsstätte, die von allen Gruppen genutzt werden kann. Hier die links zur Arbeitsgruppe Er-Fahren von Umverteilen! Stiftung für eine, solidarische Welt  und zu der Begegnungsstätte in der Türkei www.afacan.de.

 
 
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