Am 25. Juni fand die Jahresveranstaltung der Stiftung Nord-Süd-Brücken zum Thema „Ist die Welt noch zu retten – mit dem Völkerrecht? Welche Beiträge müssen Zivilgesellschaft, Menschenrechts- und Friedensbildung leisten?“ statt. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen kamen rund 90 Teilnehmende im Haus der Demokratie zusammen, um mit Expertinnen und Experten aus Zivilgesellschaft und Menschenrechtsarbeit über die Zukunft des Völkerrechts und die Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements in einer zunehmend konfliktreichen Welt zu diskutieren.
Nach der Begrüßung und thematischen Einführung durch die Vorstandsvorsitzende Ingrid Spiller hielt Wolfgang Kaleck, Gründer und Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), einen Impulsvortrag zu seinem aktuellen Buch „Die Stärke des Rechts vs. Das Recht des Stärkeren“. Ausgehend von den zahlreichen gegenwärtigen bewaffneten Konflikten und den vielfach dokumentierten Verletzungen des Völkerrechts plädierte er für dessen konsequente Verteidigung und Weiterentwicklung. Trotz offensichtlicher Doppelstandards und zahlreicher Verstöße sei das Völkerrecht unverzichtbar und müsse durch eine stärkere Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und verantwortungsvoll handelnden Staaten gestärkt werden.
Während der Kaffeepause hatten die Gäste Gelegenheit, mit Wolfgang Kaleck ins Gespräch zu kommen und Bücher signieren zu lassen. Zudem wurde das Projekt „HELIN VOICES – Stimmen, die Brücken bauen“ vorgestellt. Das Internetradio von Minderheiten für Minderheiten aus Shingal und Mosul schafft Raum für die Perspektiven der Menschen vor Ort und greift in Interviews, Reportagen und Podcasts gesellschaftliche Themen aus ihrem Alltag auf, darunter Frauen und Arbeit, Rechte und Teilhabe, Erinnerung und Identität.
Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten Anica Heinlein (VENRO), Karola Kunkel (Friedenskreis Halle) und Mariam Claren (HÁWAR.help e. V.) unter der Moderation von Ulrike Lauerhaß über die Frage, wie Zivilgesellschaft in der aktuellen weltpolitischen Situation globale Verantwortung und das Völkerrecht stärken kann. Einigkeit bestand darin, dass Menschenrechts- und Friedensbildung eine zentrale Grundlage bilden, zugleich aber allein nicht ausreichen. Es sei wichtig, den Dialog gezielt mit Menschen zu suchen, die andere Positionen vertreten, und kontroverse Gespräche nicht zu scheuen – gerade in Zeiten, in denen viele Menschen angesichts globaler Krisen und ausbleibender politischer Fortschritte entmutigt sind. Darüber hinaus brauche es weiterhin eine starke Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die globale Zusammenhänge verständlich vermittelt, Betroffene von Menschenrechtsverletzungen sichtbar macht und sich konsequent gegen Relativierungen des Völkerrechts sowie gegen Doppelstandards einsetzt.
Beim anschließenden Ausklang mit Fingerfood und Getränken nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung mit den Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle sowie den anwesenden Projektpartner*innen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Stärkung des Völkerrechts auf das Zusammenspiel staatlicher Institutionen, internationaler Politik und einer aktiven Zivilgesellschaft angewiesen ist, die durch Bildungsarbeit, öffentliche Debatten und Dialog zur Weiterentwicklung beiträgt.
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