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Projektevaluierung in Angola

Projektkurzinformation:

Träger: OIKOS EINE WELT e.V.

Projektpartner: Acçao Angolana para o Desenvolvimento (AAD)
Laufzeit: Juli 1999 - Dezember 2002
Zielgruppe: angesiedelte Bürgerkriegsflüchtlinge und ansässige Kleinbauern
Finanzumfang: 432.000 € (finanziert durch BMZ, Stiftung Nord-Süd-Brücken und OIKOS Eine Welt e.V.)
Gutachter: Rainer Tump
Evaluierungszeitraum: August 2003 - Januar 2004

Zusammenfassung

Bei dem vorliegenden Projekt handelt es sich um ein kombiniertes Mühlen- und Bewässerungsvorhaben, das von 1999 bis 2002 von der angolanischen Organisation Associação Angolana Para o Desenvolvimento (Angolanische Vereinigung für Entwicklung) Kuanza Sul in Kooperation mit OIKOS eine Welt e.V. durchgeführt wurde. Wichtigste Geberorganisationen waren das BMZ und die Stiftung Nord-Süd-Brücken. Letztere hat den Auftrag für die vorliegende Evaluierung erteilt.

Beim zu evaluierenden Vorhaben handelt es sich um ein ländliches Entwicklungsprojekt mit zwei Hauptkomponenten:
1. Kleinflächige Bewässerung soll an 13 Standorten die Eigenversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln verbessern und darüber hinaus Überschüsse produzieren, die vermarktet werden und so zur Einkommenssteigerung der Zielgruppe dienen sollen. Hierzu wurden von OIKOS 16 Dieselpumpen mit Zubehör geliefert. An einem Standort erfolgt die Bewässerung ohne Pumpe mit Hilfe eines kleinen Staubeckens, das von der Zielgruppe gebaut wurde.
2. Maismühlen sollen den betroffenen Frauen und Mädchen die schwere Arbeit des Stampfens oder Mahlens mit der Hand (zumindest teilweise) abnehmen. Zur Umsetzung wurden von OIKOS 5 Mühlen mit Motoren und weiteren Ersatzteilen aus Deutschland beschafft.

Seitens der AAD Kuanza Sul wurde das Projekt von einem vierköpfigen Team betreut, das aus einem Projektleiter, einer Fachfrau für Gruppenbildung und Gender-Fragen, einem Landwirtschaftstechniker und einem Mechaniker bestand.

Grundlage für die Projektdurchführung war ein Projektvorschlag, der von OIKOS und AAD Kuanza Sul gemeinsam ausgearbeitet wurde. Im Jahr 2001 wurde ein zweiter Projektvorschlag für eine 18-monatige Verlängerungsphase ausgearbeitet. Einzelheiten zum Projekt können den Projektvorschlägen entnommen werden.

Die Vor-Ort-Erhebung in Angola fand vom 14. bis 27. September statt. Insgesamt wurden 6 von 13 Bewässerungsprojekten und 4 von 5 Mühlenprojekten besucht und ausführliche Gespräche mit Vertreter/innen der Zielgruppe geführt.

Das evaluierte Projekt kann trotz einiger kleiner Mängel als Erfolg bewertet werden, der unter äußerst schwierigen Rahmenbedingungen erreicht wurde. Alle 18 geförderten Kleinprojekte waren rund 10 Monate nach offiziellem Projektende aktiv. 4 der 6 evaluierten Bewässerungsprojekte und 2 der 4 evaluierten Mühlenprojekte sind ökonomisch außerordentlich erfolgreich. Den Grundstein hierfür legte in allen Fällen eine gute Organisationsstruktur der Zielgruppen als Projektträger sowie deren Engagement und starke Identifikation mit ihrem Projekt. Eine weitere wichtige Basis für den Erfolg ist die hervorragende Qualität der von OIKOS gelieferten Pumpen und Maismühlen samt Motoren. In Kombination mit einer guten Wartung aller Anlagen (mit Ausnahme einer Maismühle) erscheint die Nachhaltigkeit dieser Kleinprojekte vorerst gesichert.

Jeweils zwei der evaluierten Bewässerungs- und Mühlenprojekte leiden zur Zeit an organisatorischen Schwächen bzw. internen Konflikten. In zwei der vier Fälle zeichnet sich eine Lösung ab. Die beiden verbleibenden Kleinprojekte sind ohne weitere Unterstützung durch die AAD Kuanza Sul gefährdet.

Nahezu alle Maßnahmen wurden wie geplant durchgeführt. Die geplanten Projektwirkungen wurden großteils erreicht. Hervorzuheben sind hier die Arbeitsentlastung von etwa 8.000 Frauen durch die Maismühlen sowie die Verbesserung der Ernährungssituation und die Überwindung absoluter Armut für rund 300 Familien durch die Förderung der Bewässerungslandwirtschaft. Der ökonomische Erfolg einiger Bewässerungsprojekte und von zwei Mühlenprojekten übertrifft dabei die Erwartungen aller Beteiligten.

Die angestrebte Zahl von 1.235 Familien in der Bewässerungslandwirtschaft wurde mit 233 Frauen und 243 Männern in 13 Dörfern nur zu etwa 40% erreicht. (1) Im extremsten Fall sind in einem für 100 Familien geplanten Kleinprojekt nur 9 Frauen und 8 Männer tätig. Da zumindest teilweise die beteiligten Männer und Frauen zu einer Kleinfamilie gehören, kann in diesem Fall von 12 bis 15 beteiligten Familien ausgegangen werden. Diese „Planuntererfüllung" kann als Schwäche des Projekts angesehen werden, da weniger als die geplanten Familien erreicht wurden. Sie zeigt aber gleichzeitig die Strategie an, die der Projektträger AAD von Beginn an verfolgte: die Zielgruppe selbst definiert ihr Projekt und ist für dessen Erfolg oder Misserfolg verantwortlich. Diese Strategie ist wesentliche Grundlage für den Erfolg und die Nachhaltigkeit des Projekts. Nur so konnte ein derart hoher Grad von Identifikation seitens der Zielgruppe erreicht werden.

In den Fällen, wo die Mitarbeiter/innen der AAD der Meinung sind, eine von der Zielgruppe gewählte Strategie sei nicht erfolgversprechend, vertritt die Organisation ihren Standpunkt gegenüber der betreffenden Kommission. Kommt es zu keiner Einigung, wird in der Regel die Entscheidung der Zielgruppenvertreter/innen akzeptiert.

Das vorliegende Projekt ist eines der wenigen in der Provinz Kuanza Sul, deren Schwerpunkt nicht auf Nothilfe und Nahrungsmittelverteilung liegt. Der Erfolg des Projekts selbst unter Kriegsbedingungen zeigt, dass die Durchführung entwicklungspolitisch orientierter Maßnahmen entgegen der Meinung vieler „Experten" möglich und sinnvoll ist. Angesichts des akuten Mangels an guten entwicklungspolitischen Projekten in der Provinz Kuanza Sul und im gesamten Angola könnte das evaluierte Projekt Modellcharakter für andere Organisationen haben.

(1) Ein wichtiger Grund für die Abweichung von den Zielvorgaben ist, dass das Projekt unter Kriegsbedingungen geplant und begonnen wurde. Hier dominierte das Ziel der Überlebenssicherung. Seit dem Abflauen der Kämpfe in 2001 und dem Ende des Krieges im Februar 2002 haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Im Vordergrund steht seitdem die Nachhaltigkeit der Kleinprojekte, die u.a. eine größere Produktionsfläche pro Kleinfamilie als die ursprünglich geplanten erfordern.

 
 
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