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Evaluierung der Personalkostenförderung

Projektkurzinformation:

Träger: Stiftung Nord-Süd-Brücken

Projektlaufzeit: 2009–2012

Zielgruppe: ostdeutsche entwicklungspolitische Organisationen

Finanzumfang: ca. 2.195.700 € (davon 1.142.360 € finanziert durch das BMZ)

GutachterIn: Christiane Schulte

Evaluierungszeitraum: Juli–Oktober 2012

Zusammenfassung der Ergebnisse der Evaluierung des 5. Personalkostenförderfonds

Das vom BMZ finanzierte Projekt wird von der Stiftung Nord-Süd-Brücken (SNSB) seit Mitte 2009 in ostdeutschen Bundesländern durchgeführt. Das vorgesehene Projektende Dezember 2011 wurde um ein Jahr auf Dezember 2012 verschoben. Ziel ist es, entwicklungspolitische NRO in ostdeutschen Bundesländern durch die Finanzierung von hauptamtlichen Personalstellen und deren Qualifizierung und Vernetzung so zu stärken, dass sie ihre entwicklungspolitischen Kernkompetenzen ausbilden und mehr Menschen mit entwicklungspolitischen Themen erreichen können. Die entwicklungspolitische Strukturbildung in der Region soll gefördert werden.

Die entwicklungspolitischen Strukturen in Ostdeutschland sind durch den 5. PKF deutlich gestärkt worden. Die NRO sind institutionell gewachsen und haben ihre Sichtbarkeit erhöht. Sie beteiligen sich aktiv an Netzwerken und stärken diese in und über die Region hinaus. Entwicklungspolitische Themen wurden durch vielfältige Bildungsveranstaltungen, insbesondere durch die Entwicklungspolitischen Bildungstage in sechs ostdeutschen Bundesländern, aber auch durch umfassende Kampagnenarbeit in die ostdeutsche Öffentlichkeit, in die Schulen und in andere gesellschaftliche Bereiche und Institutionen getragen. Kommunen und Landesregierungen erkennen die Kompetenzen von LNW und NRO zunehmend an. Die PKF-StelleninhaberInnen setzen sich mit sehr großem Engagement für ihre Vereine und ihre spezifischen Aufgaben ein. Dieses Engagement zeigten sie auch in ihrer Teilnahme an allen mit dem PKF verbundenen Aktivitäten, wie den verschiedenen Workshops und weiteren Treffen. Die gleiche engagierte Haltung und Offenheit zeigten sie ebenfalls während der Evaluation. Die guten Ergebnisse ändern aber nicht grundsätzlich die Abhängigkeit der NRO von externer Personalkostenfinanzierung. Die NRO sind aus sich heraus nicht fähig, die hauptamtlichen Arbeitsplätze finanziell abzusichern. Eine Weiterfinanzierung von Personalstellen zur Konsolidierung und Ausweitung der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in ostdeutschen Bundesländern ist dringend notwendig und wird unbedingt empfohlen.

Projektkonzeption

Ergebnisse:

  1. Die Projektkonzeption zielt darauf ab, die Nichtregierungsorganisationen (NRO) institutionell und als entwicklungspolitische Akteure durch die Finanzierung von Personal sowie deren Qualifizierung und Vernetzung zu stärken. Dieser Ansatz entspricht den prekären Rahmenbedingungen, unter denen ostdeutsche NRO arbeiten und ist daher von hoher Relevanz.
  2. BMZ und SNSB stimmen in ihrer Erwartung überein, dass der 5. PKF zu einer Stärkung der NRO und der entwicklungspolitischen Strukturen in ostdeutschen Bundesländern führt.
  3. Die Zielsystematik entspricht den Logframestandards und ist mit relevanten Indikatoren bestückt. Die Indikatoren sind mehrheitlich quantitativ. Für unterschiedliche Tätigkeitsbereiche sind jeweils Indikatoren entwickelt worden. Größtenteils beziehen sich diese auf die Gruppe der NRO, die schulische und außerschulische Bildungsaktivitäten durchführen.

Empfehlungen:

  1. Es wird empfohlen, die institutionelle Stärkung der Vereine in einem neuen Förderformat zu berücksichtigen.
  2. Das Zielsystem und die Indikatoren sollten in einem gemeinsamen Prozess mit den Vereinen erarbeitet und alle Tätigkeitsbereiche mit Indikatoren belegt werden.
  3. Die Erstellung einer Baseline zu Beginn einer neuen Förderphase würde das Monitoring und weitere auf einzelne Phasen bezogene Evaluierungen erleichtern.

Programmverlauf

Ergebnisse:

  1. Die SNSB hat entschieden, NRO in allen ostdeutschen Bundesländern und in verschiedenen Tätigkeitsbereichen zu fördern. Damit wurde die Voraussetzung für eine breit gestreute Stärkung entwicklungspolitischer Strukturen in ostdeutschen Bundesländern geschaffen.
  2. Im PKF werden in erster Linie kleine NRO gefördert sowie größere Organisationen, die einen spezifischen Arbeitsbereich einrichten. Die Mehrheit der Vereine wurde bereits zuvor im Rahmen des PKF gefördert.
  3. Die SNSB hat das Programm kompetent und professionell gesteuert. Die NRO schätzen den partnerschaftlichen und partizipativen Arbeitsstil der Stiftung.
  4. Die NRO und die Stiftung arbeiten gemeinsam an einer Neugestaltung und Fortführung der Personalkostenfinanzierung im PromotorInnenmodell. Die große Mehrheit der Vereine ist auf eine Weiterfinanzierung ihrer Personalstelle angewiesen.
  5. Die NRO haben sich intensiv am gemeinsam beschlossenen Qualifizierungsprogramm beteiligt. Sie konnten die Themenauswahl mitgestalten. Einen Erkenntniszugewinn hat es bei 90 Prozent der TeilnehmerInnen gegeben. Die Mehrheit konnte einen Teil ihrer Erkenntnisse in die Praxis umsetzen. Die regelmäßigen Treffen haben die überregionale Vernetzung befördert.

Empfehlungen:

  1. Eine Verteilung von Stellen auf alle ostdeutschen Bundesländer und auf verschiedene Arbeitsbereiche sollte beibehalten und zugunsten der bislang weniger geförderten Regionen ausgeglichen werden.
  2. Der intensive Austausch zwischen den Vereinen sollte in einer weiteren Förderung fortgesetzt werden.

Qualitative Analyse: Dynamische Organisationsentwicklung

Ergebnisse:

  1. Der PKF hat in den geförderten Vereinen einen dynamischen Organisationsentwicklungsprozess ausgelöst. Die Finanzierung einer Personalstelle markiert den Beginn einer internen und externen Dynamik. Es werden mehr Personen in den Verein eingebunden, neue Finanzquellen akquiriert, Arbeitsprozesse verbessert und neue Bildungsangebote erarbeitet. Bestehende Kontakte werden vertieft, die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Zielgruppen werden erreicht.
  2. Diese interne und externe Dynamik der Organisationsentwicklung kann neue Engpässe auslösen, wenn die Nachfrage die vorhandenen Ressourcen übersteigt. Dann geraten die Vereine in eine Situation, in der sie Entscheidungen über die weitere Entwicklung ihrer Organisation treffen müssen. Zentral sind Diskussionen über die Spannungsfelder Ehrenamt versus Hauptamt und Innovation versus Konsolidierung.

Empfehlungen:

  1. Der Prozess der Organisationsentwicklung sollte von der Stiftung oder von externen BeraterInnen weiterhin eng begleitet werden. Ein Erfahrungsaustausch zwischen den Vereinen über die Bearbeitung von Spannungsfeldern (Ehrenamt versus Hauptamt; Innovation versus Konsolidierung) kann hilfreich sein.
  2. Die Konsolidierung von existierenden Arbeitsprozessen und -beziehungen stärkt die Vereine und ermöglicht neue Dynamiken und sollte in zukünftigen Förderinstrumenten berücksichtigt werden.

Institutionelle Entwicklung der Organisationen (Effektivität)

Ergebnisse:

  1. Das Programm stößt in den Vereinen auf eine hohe Akzeptanz. Ziele wurden von SNSB klar kommuniziert und waren für die Vereine zum Zeitpunkt der Erarbeitung eigener Anträge hilfreich.
  2. Durch die PKF-Stellen konnten mehr Personen in die Arbeit des Vereins eingebunden werden, die Anzahl von Ehrenamtlichen, Freiwilligen und Hauptamtlichen hat seit 2008 zugenommen.
  3. In der Antragsstellung und Berichterstattung hat ein Lernprozess stattgefunden. Die Vereine arbeiten mit einer Jahresplanung und werten diese regelmäßig aus. Für ihre Veranstaltungen nutzen die meisten Vereine Auswertungsbögen, zum Beispiel für SchülerInnen und LehrerInnen. Angaben zu den Veranstaltungen und TeilnehmerInnen sind in Datenbanken systematisiert und abrufbar. In einigen Fällen sind Bildungsmaßnahmen und andere Aktivitäten evaluiert worden.
  4. Die Vereine konnten während der Förderphase ihre Finanzmittel nicht nur konstant halten, sondern darüber hinaus sogar erhöhen und zwar in erster Linie durch Drittmittelakquise. 85 Prozent der Vereine hatte 2011 höhere Gesamteinnahmen als 2011. Diese haben sich durchschnittlich um etwa 25 Prozent erhöht.
  5. In allen Vereinen sind die Tätigkeitsbereiche, in denen die PKFStelleninhaberInnen aktiv waren, gestärkt worden.
  6. Eine große Mehrheit, 80 Prozent der Vereine, hat sich in der Förderphase mehrmals an lokalen und regionalen Kampagnen beteiligt und damit relevante Themen des Globalen Lernens wie Klima- und Handelsfragen, Armut, Konflikte und internationale Finanzbeziehungen in die ostdeutsche Öffentlichkeit gebracht.
  7. Die PKF-geförderten Vereine haben sich Landesgrenzen überschreitend eng miteinander vernetzt und vielfältige Kooperationsprojekte auf den Weg gebracht.

Empfehlungen:

  1. Die gelungenen Beispiele von Kompetenztransfer (Rostock-Greifswald) und Kooperation (RAA-GSE-Carpus) sind beispielhaft für weitere Vereine. Insgesamt sollten solche Formen der Zusammenarbeit forciert werden.
  2. Einige Vereine haben weitgehende Erfahrungen mit Planung-Monitoring-Evaluation-Instrumenten in der Bildungsarbeit, die sie an andere Vereine weitergeben können.
  3. Die Integration der MDO-Beratung in die Landesnetzwerke (LNW) hat sich als vorteilhaft herausgestellt und könnte fortgeführt werden.

Externe Wirkungsfelder

Ergebnisse:

  1. Fast alle geförderten Vereine haben ihre Kooperationsnetze seit 2009 qualitativ und quantitativ erweitert. Dadurch ist es gelungen, entwicklungspolitische Themen in neue gesellschaftliche Sektoren zu transportieren.
  2. Die Landesnetzwerke vernetzen entwicklungspolitische NRO, werden als ihre Vertreter akzeptiert und konnten in einigen Fällen die Interessen der NRO in die politischen Gremien einbringen.
  3. Die MDO-Beratung hat die Gründung von MigrantInnenorganisationen und ihre Nähe zu den entwicklungspolitischen NRO befördert.
  4. In der Bildungsarbeit wurden mehr Menschen mit neuen Themen und Methoden erreicht. Der Anteil der Ausbildung von MultiplikatorInnen hat zugenommen. Dadurch können die Vereine der Nachfrage nach Bildungsarbeit nachkommen.
  5. Durch die substantielle Teilnahme der PKF-Stellen an der Vorbereitung und der Durchführung von Entwicklungspolitischen Bildungstagen gibt es diese inzwischen in allen ostdeutschen Bundesländern, jeweils im Herbst. Sie werden von mehreren tausend Menschen besucht.
  6. Kommunen und Länderregierungen nehmen die Arbeit der PKF-geförderten Vereine zunehmend zur Kenntnis, haben vereinzelt Kooperation angeboten und sich in einigen Fällen, mit Unterstützung der NRO, auf Fair-Trade-Townprozesse, Nachhaltigkeitsdebatten und entwicklungspolitische Leitlinien-Diskussionen eingelassen.

Empfehlungen:

  1. In der Bildungsarbeit der Vereine sollte die Ausbildung von MultiplikatorInnen ein Schwerpunkt sein, um der wachsenden Nachfrage nach Bildungsangeboten nachzukommen.
  2. Die aktive Teilnahme von NRO an Kampagnen, Netzwerken oder Entwicklungspolitischen Bildungstagen sollte weiterhin gefördert werden.
  3. Wirkungen im Politikfeld setzen eine Förderung über mehrere Förderphasen voraus.

 

Download der vollständigen Version der Evaluierung

 
 
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