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Evaluierung der Personalkostenförderung

Projektkurzinformation:

Träger: Stiftung Nord-Süd-Brücken

Projektlaufzeit: 2003 - 2006

Zielgruppe: ostdeutsche entwicklungspolitische Organisationen

Finanzumfang: ca. 800.000 € (finanziert durch das BMZ und die Stiftung Nord-Süd-Brücken)

GutachterInnen: Dorothea Giesche

Evaluierungszeitraum: März - Mai 2005

Zusammenfassung der Ergebnisse der Evaluierung des 3. Personalkostenförderfonds

Seit 1996 können ostdeutsche entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen bei der Stiftung Nord-Süd-Brücken einen Zuschuss zu für ihre Personalkosten erhalten. Das Dreijahresprogramm wurde aufgelegt, um durch die Kofinanzierung von Personalstellen Nichtregierungsorganisationen (NRO) in den Neuen Bundesländern und Berlin (Ost) strukturelle Unterstützung zur eigenen Stabilisierung und Entwicklung zu bieten. 21 MitarbeiterInnen in Nichtregierungsorganisationen (NRO) wurden gefördert. Alle 21 geförderten NRO sind in der entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, elf NRO betreiben in unterschiedlichem Umfang auch Projektarbeit im Ausland.
Insgesamt professionalisierten sich die geförderten NRO, festigten die eigenen Strukturen und entwickelten diese weiter. Einschränkend gilt es zu sagen, dass bei dieser Analyse die Frage nach der Wirkung auf die NRO im Mittelpunkt stand und nicht die Wirkung und Qualität vermittelter Inhalte gemessen wurde.

Quantitative Veränderungen der NRO

Die Zahl der hauptamtlichen MitarbeiterInnen unter den geförderten NRO nahm trotz der erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten auf Landesebene um rund zehn Prozent zu. Dies ist ein Indiz für die professionalisierte Arbeit der NRO. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen um 34,1 Prozent. Auch dies ist ein Erfolgsindikator, denn hier zahlte sich gute Begleitung, Förderung und Schulung von Ehrenamtlichen und die kontinuierlichere Präsenz der geförderten Personen aus. Zu den regelmäßigen ehrenamtlich Tätigen konnten in einzelnen NRO und Netzwerken zusätzlich bis zu 100 Ehrenamtliche mobilisiert werden.
Viele NRO erhöhten die Anzahl ihrer Aktivitäten, Veranstaltungen und damit ihre lokale und regionale Sichtbarkeit. So ist z.B. die Steigerung einer NRO von 30 auf 70 Veranstaltungen im Vergleich zum Vorjahr ein positives Ergebnis. Aber, es ist keine Aussage über die Qualität dieser Veranstaltungen oder der angewendeten Materialien und Methoden!

Qualitativ lassen sich folgende Veränderungen bei den NRO identifizieren:

1. NRO wurden gestärkt und nach außen hin sichtbarer
Ehrenamtliche wurden entlastet und Kapazitäten für andere Tätigkeiten freigesetzt. Sie konnten gezielt geschult und begleitet werden. Die ist in der Bildungsarbeit unverzichtbar, da es dort darum geht, qualitative Standards zu entwickeln und zu halten.
NRO konnten sich bekannt machen in der schulischen Bildungsarbeit der Kommunen. Einige wurden zu anerkannten Trägern freier Jugendarbeit oder gar der Jugendgerichtshilfe - etablierten sich an der Schnittstelle von entwicklungspolitischer und freier Jugendsozial- und Gemeinwesenarbeit. In einigen Orten wurden sie zu regionalen Kompetenzzentren für entwicklungspolitische Inhalte (wie „Fairer Handel" oder „Saubere Kleidung"). NRO werden also von städtischen Gremien, von Schulen und anderen Institutionen einbezogen. Von diesen Kompetenzzentren können auch kleine NRO, die neu entstehen, profitieren.

2. Bildungsarbeit professionalisierte und erweiterte sich
Einige NRO entwickelten Bildungsbausteine, Module oder sogenannte Themen-Koffer.
Zugleich führte die kontinuierliche öffentliche Präsenz der geförderten MitarbeiterInnen zu einer großen Zunahme an Interesse und Anfragen, die teilweise die Grenzen der Bearbeitung auch überschritt. Zunehmend wurden besonders nachgefragte Themenangebote wie gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien, Mediation, Kommunikation und soziale Kompetenzen wie Toleranz in Bildungsbausteinen eingebaut.

3. Projektarbeit verstetigte sich
Eine verantwortliche Kooperation mit Südpartnern ist ohne eine bezahlte MitarbeiterIn, die eine Kontinuität der Kommunikation, der Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit garantiert, ausgesprochen kompliziert. Hier half das Programm bei der qualitativen Sicherung dieses Arbeitsbereichs. Elemente wie Projektevaluation wurden verstärkt eingesetzt, und die Kommunikation mit Projektpartnern verstetigte sich. Neue Finanzierungsquellen wurden bei einigen erschlossen. Im Einzelfall wurde die Projektarbeit stärker fokussiert und reduziert und eben nicht ausgebaut, um gestiegenen Qualitätsstandards innerhalb der NRO zu genügen.
Als produktiv hat sich die enge Verknüpfung von entwicklungspolitischer Bildungsarbeit der NRO mit der eigenen Projektarbeit erwiesen. Und auch die Einbindung von Ehrenamtlichen und UnterstützerInnen in die projektbezogene Bildungs- und Austauschprogramme gelang.

4. Zivilgesellschaftliche Wirkung
Entwicklungspolitische NRO schafften den Sprung aus der Nische, wenn sie z.B. von städtischen Gremien, Schulen etc. bei den von ihnen besetzten Themen angefragt und einbezogen wurden. So konnten sie als anerkannte politische Akteure Einfluss nehmen, damit ihre Themen in der Gesellschaft verankert werden. Aber dieses Potenzial wurde nur bei einigen NRO systematisch genutzt.

5. Zukunftsfähigkeit
Die Personalkostenförderung konnte dazu beitragen, dass NRO sich professionalisierten. Finanziell zukunftsfähig war die Kompetenzsicherung von Hauptamtlichen nur dort, wo die Suche nach materieller Absicherung mit inhaltlicher Sicherung verknüpft wurde. Ein Beispiel ist eine NRO, die die eigene Bildungsarbeit mit den Einnahmen aus dem eigenen Weltladen finanzieren konnte.
Je länger und spezialisierter, professioneller eine NRO arbeitet, umso weniger ist eine rein ehrenamtliche Fortsetzung der Tätigkeit denkbar - ohne erhebliche Qualitäts- und Quantitätsverluste zu erleiden.
Die hohe Konzentration von professioneller Kompetenz der geförderten Stelle ermöglichte qualitative Entwicklungen. Gleichzeitig wurde damit aber auch eine Abhängigkeit von einer Person geschaffen und verstärkt. Der ehrenamtliche Vorstand oder andere Mitglieder wurden entlastet und zogen sich vielerorts zurück. Die bezahlte MitarbeiterIn wurde so stark belastet oder sogar überlastet. In vielen NRO könnten beim Wegfall der Bezahlung oder Weggang der bezahlten MitarbeiterIn erhebliche Krisen entstehen. Beziehungen, Erfahrungen und Kompetenzen würden so verloren gehen.

Fazit und Ausblick

Zusammenfassend ist die Professionalisierung der NRO sichtbar, ebenso die gelungene Etablierung einiger Kompetenzzentren in der Überlappung entwicklungspolitischer Bildungsarbeit mit der Jugend- und Gemeinwesenarbeit. Beide Bereiche sind finanzkrisengeschüttelt und ohne eine nachhaltige Absicherung. Finanzielle Erfolge waren bei den NRO begrenzt.

Dennoch, ein solches Personalkosten-Förderprogramm schafft Spielräume für die institutionelle Professionalisierung und Entwicklung kleiner NRO in strukturschwachen Gebieten, wenn es von entsprechenden beratenden und unterstützenden Maßnahmen begleitet wird und eine Anschubfinanzierung bietet. Gleichzeitig bedeutet die Förderung bei hoch professionalisierten NRO, die sehr spezialisierte Kompetenzen und Netzwerke aufbauten - einen existenziellen Beitrag zum Überleben. Besonders der Bereich der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit wird niemals selbsttragend werden und braucht immer diese Kofinanzierung.
Koordinierende und vernetzende Arbeit, Lobbyarbeit und Kampagnen sind ebenso unverzichtbar, um die öffentliche Sichtbarkeit von entwicklungspolitischen Aktivitäten zu steigern, so wie es die entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage in einzelnen ostdeutschen Bundesländern bereits erfolgreich getan haben.
Und schließlich sollte immer Raum für innovative Projekte geschaffen werden.
Dazu gehören auch andere Finanzierungsmodelle wie zum Beispiel Konsortialanträge mehrerer NRO, bei denen im Rahmen eines gemeinsamen Projektes Personalkostenzuschüsse für jede beteiligte NRO beantragt werden können.

Dorothea Giesche hat den 3. Personalkostenförderfonds zwischen März und Mai 2005 mit Unterstützung zwei weiterer Kolleginnen evaluiert. Die Ergebnisse wurden auf einem Workshop mit den beteiligten NRO im Juni 2005 diskutiert.

 
 
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