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Projektevaluierung in Vietnam

Projektkurzinformation

Träger: Solidaritätsdienst international (SODI) e.V.frauen tragen lasten

Projektpartner: Frauenunion des Kreises Tuong Duong, Provinz Nghe An

Laufzeit: 1995 - 2001

Zielgruppe: BewohnerInnen von Bergdörfern im Kreis Tuong Duong, vor allem Frauen

Finanzumfang: 107.958 € (finanziert durch die Stiftung Nord-Süd-Brücken und SODI e.V.)

Gutachter: Dr. Andreas Schneider

Evaluierungszeitraum: April - Oktober 2001

 

Wirkungen und Bewertung der Projekte in den evaluierten Dörfern

Insgesamt betrachtet haben die Trinkwasserprojekte glaubhaft zu einem Rückgang der Krankheitsfälle in den Dörfern geführt. Der Gesundheitszustand der Dorfbewohner allgemein, und der Frauen und Kinder im besonderen, hat sich wesentlich verbessert. Durch den Wegfall von zusätzlichen Ausgaben für Medikamente und krankheitsbedingten Versorgungsengpässen, haben sich die Lebensbedingungen wesentlich stabilisieren und positiv entwickeln können. Anstelle des mehrmals täglichen Wasserholens können die Frauen und Mädchen heute - durch das vorhandene Wasser und den gewonnenen zeitlichen Freiraum - Gemüse anbauen, Obstbäume pflanzen und Kleintierzucht oder in einzelnen Fällen traditionelle Weberei betreiben. In den Dörfern hat sich dadurch die Einkommens- und Versorgungslage verbessert. Inwieweit damit auch den Mädchen ein Schulbesuch möglich gemacht wurde, konnte aufgrund der Schulferien zum Zeitpunkt der Evaluierung nicht nachgewiesen werden. Man kann aber davon ausgehen, daß dies teilweise Realität ist.

Schlußfolgerungen und Empfehlungen für die weitere Kooperation

Oberziel Armutsbekämpfung

Die evaluierten Projekte haben im Kreis Tuong Duong einen entscheidenden Beitrag zur Ar­mutsminderung geleistet. Mit einem vergleichsweise geringen Mitteleinsatz wurde ein effekti­ver und sinnvoller entwicklungspolitischer Ansatz gefördert und umge­setzt. Die evaluierten Projekte fügen sich in besonderer Weise in die entwicklungspolitische Schwerpunktsetzung der vietnamesischen Regierung, aber auch der lokalen Administration (Provinz und Kreis) ein. Die Zielgruppe der ethnischen Minderheiten in diesem Kreis allgemein und der Frauen und Mädchen in den Dörfern im besonderen, liegt nicht nur in einer der ärm­sten Gemeinden der Provinz, sondern zählt auch eindeutig zu den unterpriveligiertesten und benachteiligsten Gruppen in der Region. Die Minderung der Armut ist nicht nur eine Priorität der vietnamesischen Regierung, sondern besitzt auch für die Weltbank und die Bundesregie­rung im Rahmen des Aktionsplanes 2015 (Vietnam ist eines der vier Pilotländer) eine überge­ordnete Bedeutung. Die traditionell besonderen Beziehungen zwischen der Provinz Nghe An und SODI haben durch die Verlagerung der Projektförderung in den ländlichen Raum eine effizientere Form und Qualität erreicht, da der Charakter und Umfang der Projekte in den Berggebieten den Möglichkeiten und Ansprüchen von SODI entsprechen. Sie wirken hier außerdem wesentlich öffentlichkeitswirksamer und effektiver, wodurch auch die sonst im Ausland kaum noch wahrgenommene Präsenz ostdeutscher NGOs sichtbar wurde.

Sicherung von Signifikanz und Nachhaltigkeit

Dennoch könnten Signifikanz und Nachhaltigkeit der Projekte noch gesteigert und verbessert werden. Wie aus den Projektabläufen sichtbar geworden ist, spielt die Frauenunion in den meisten Fällen nur eine statistische Rolle. DPI setzt die Frauenunion geschickt als Partner für internationale NGOs ein, um dadurch die beschränkten Möglichkeiten der eigenen programmatischen Entwicklungsansätze bei der Armutsminderung mit ausländischer Hilfe zu kompensieren. Die Personalunion des SODI-Beauftragten Dr. Nam mit seiner Funktion als Deputy Director im DPI führt dazu, daß die Hilfe von SODI sehr effektiv in die Planung der Provinz eingebunden wird. Im Gegensatz zu dem unkoordinierten entwicklungspolitischen Vorgehen in anderen Ländern, ist dies durchaus nicht negativ zu bewerten, da damit eine relativ effektive Koordinierung der staatlichen und nichtstaatlichen EZ mit der vietnamesischen Entwicklungsplanung erfolgt. Durch das Eingreifen der Geberorganisation könnte bei Neuvorhaben eine stärkere Partizipation der Frauen auf Dorfebene eingefordert werden.

Überprüfung der technischen Baumängel

Bei allen Trinkwasseranlagen wurden bautechnischen Mängeln an den Zisternen festgestellt. Es könnte sich um Materialfehler oder Fehler bei der Bauausführung handeln (Verfestigung des Zements, Zementanteil oder zu kurze Austrocknung). Nach Angaben von Oxfam Hong Kong hätte es bei den von ihnen geförderten Trinkwasserprojekten mit dem gleichen Verantwortlichen des Volkskomitees keine derartigen Probleme gegeben, was vom Gutachter allerdings nicht überprüft werden konnte. Ohne permanente Kontrolle bzw. M&E würden nach der subjektiven Auffassung des vietnamesischen Projektmanagers von Oxfam möglicherweise die Mischungsverhältnisse des Zementanteiles abgeändert, was wie oben bereits er­wähnt eine von verschiedenen (nicht zu klärenden) Ursachen sein könnte.

Transparenz und Information in der Planungs- und Implementierungsphase (durch SODI)

Die Vorsitzende der FU des Kreises hob hervor, dass die Dorfbevölkerung nur bei einer offenen Informationspolitik und Partizipation sensibilisiert und motiviert werden könnte. Die Demokratieordnung in der Gemeinde biete dazu heute einen großen Handlungsspielraum. Deshalb ist nach Auffassung des Gutachters eine transparente Informationspolitik, projektbezogene Einbeziehung und wirkliche Partizipation der Dorfbevölkerung ein weiteres, wesentlich effizientes Mittel. Sind Bau- und Kostenplan bekannt, ist eine unbemerkte Modifizierung durch den Bauträger kaum möglich. Deshalb sollten die Projekte vorab auf den öffentlichen Dorfversammlung vorgestellt und diskutiert werden.

M&E

Die systematische Beobachtung und Dokumentation der Durchführung der einzelnen Projekte auf Grundlage der Projektplanung (Monitoring) erfolgt bis heute nur im weitesten Sinne durch den SODI-Beauftragten. Evaluierungen, d.h. projektinterne Bewertungen der beim Monitoring gesammelten Informationen im Hinblick auf ihre Ziel- und Plankonformität werden nicht systematisch durchgeführt. Der FU sind diese Instrumentarien noch nicht vertraut, weshalb Fortbildungen in diesem Bereich unbedingt unterstützt werden sollten. Aufgrund der schwachen Rolle der Frauen in den ethnischen Gemeinschaften der Bergdörfer sollte dazu zumindest die FU organisatorisch auf der Kreisebene gefördert werden, um über diesen Weg auch die Frauen auf der Gemeinde- und Dorfebene zu sensibilisieren.
Dennoch sollte in einer Übergangsphase ein zusätzliches Monitoring durch eine externe Person erfolgen. Dies könnte durch einen lokalen Experten bzw. freien einheimischen Gutachter oder durch eine Kooperation mit Oxfam oder dem DED (beispielsweise durch einen Entwicklungshelfer/in in der Region oder die Beraterin für Einheimische Organisationen) erfolgen.

Institutionelle Förderung der FU des Kreises

Für die eigenständige Projektdurchführung brauchen die Frauen des Vorstandes der FU des Kreises Tuong Duong dringend Unterstützung. Für den Ausbau ihres entwicklungspolitischen Engagement fehlen ihnen - wie bereits erwähnt - Kenntnisse auf den Gebieten Projektplanung und -management sowie M&E. Nur durch Trainings und Organisationsberatung könnte die FU auf lokaler Ebene befähigt werden, ihre eigenständige Rolle wirklich wahrzunehmen. Außerdem fehlt ihnen ein Transportmittel für die Umsetzung dieser Ziele und Aufgaben. Es sollte angestrebt werden, ihnen ein oder zwei Mopeds zur Verfügung zu stellen. Weiterhin sollte überlegt werden, ob SODI einen Beratungseinsatz finanzieren könnte oder über andere Organisationen, wie beispielsweise den DED, eine einheimische Fachkraft finanzieren lassen kann. Ein zeitlich begrenzter Beratungseinsatz durch eine Kurzzeitexpertin oder Beraterin für Einheimische Organisationen könnte bedarfsweise in zukünftige Projektplanungen integriert werden. Die FU könnte dann die Schwächen des M&E-Systems von SODI, die aufgrund einer nicht vorhandenen Außenstruktur bei durchschnittlich einmal jährlichen Kurzbesuchen normal sind, kompensieren. Eine Weiterführung dieses Programmansatzes im Kreis Tuong Duong erscheint sehr sinnvoll. Die Kombination von Trinkwasseranlagen und der Finanzierung von Moskitonetzen hat sich dabei besonders bewährt. Ein Kreditsystem zur Tierhaltung (ob Rinder oder andere Tiere) erhöhen das Einkommen der betreffenden Familien dabei wesentlich, wobei die Trinkwasserversorgung eine Grundlage dafür darstellt, da ohne ihre Realisierung kein zeitlicher Freiraum geschaffen werden kann. Mit den auf einem in Auswertung der Evaluierung geplanten Meeting mit DPI und dem Volkskomitee sollen dazu erste Schlußfolgerungen für die weitere Planung und Umsetzung der Projekte gezogen werden. Die FU will ihr Ziel, eigenverantwortliche Projekte durchzuführen, schrittweise umsetzen und erreichen. Für die Realisierung soll die weitere Zusammenarbeit mit SODI genutzt werden. Dafür wird die Planung überarbeitet werden müssen, wobei eine eigenständig vorzunehmende Priorisierung der zu unterstützenden Dörfer angestrebt wird, für die es ohne Fortbildung keine fachkompetente Basis geben dürfte.

Qualitätsmanagement

Für die Gewährleistung der Nachhaltigkeit sollte im Sinne eines Qualitätsmanagements der SODI-Projekte überlegt werden, ob eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen sinnvolle Synergieeffekte schaffen kann. Hierfür würde sich die Nutzung der Struktur von Oxfam Hong Kong im Kreis anbieten oder auch eine Projektbegleitung durch eine möglicherweise für diese und angrenzende Provinzen (Nghe An, Ha Tinh etc.) vorstellbare Beraterin für Einheimische Organisationen und Selbsthilfeinitiativen des DED.

Die Förderung von Trinkwasserprojekten - als Motor der Entwicklung und wesentliche Grundlage für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen - sollte von SODI unbedingt weiterverfolgt und fortgeführt werden, wobei ein angepaßtes M&E und die Fortbildung der lokalen Partner eingebunden werden sollten.

 
 
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